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    Zitat von Maria Hier:06.08.2019, 11:04 Beitrag anzeigen
    Luhmann verwendete die später als Hyperlinks bekannt gewordenen Querverweise bereits in den späten 50er Jahren, also noch bevor es eine IT gab; ein kurzes Interview mit Prof. Kieserling erläutert den Zusammenhang. Trotzdem wird Luhmann zu Recht nicht als Erfinder des Hyperlinks bezeichnet, denn das war lediglich ein Abfallprodukt seiner Arbeitsmethode und zeigt eigentlich nur, wie sinnvoll Hyperlinks sind, dass sie später im IT-Kontext noch einmal erfunden wurden; in einer Historie des Hyperlinks taucht also Luhmann also gar nicht auf.

    Es wäre auch traurig, Luhmann auf den Zettelkasten und seinen Hyperlinks als Kuriosum zu reduzieren, denn immerhin hat Luhmann die einzige vollständige Gesellschaftstheorie der modernen Gesellschaft vorgelegt. Das Besodere seiner Gesellschaftstheorie ist ein sehr streng analytischer und abstrakter Theorieansatz, der neuere wissenschaftlche Erkenntnisse aus der Neurologie, der Zellbiologie und Kybernetik mit einbezog. Für mich ist jedoch die vollständige Ideologiefreiheit seiner Gesellschaftstheorie hervorzuheben: es ging Luhmann immer nur um das Erkennen der Welt und eben nicht vorrangig um deren Veränderung, wie bspw. beim Marxismus/Leninismus oder der kritischen Theorie von Adorno, Horkheimer und Habermas.
    Für jeden, den die Methode Zettelkasten als Kommunikationspartner genauer interessiert: „Ich denke ja nicht alles allein.“ Der Zettelkasten als Zweitgedächtnis Niklas Luhmanns - Vortrag von Johannes Schmidt:
    Niklas Luhmann zählt zu den bedeutendsten Soziologen des 20. Jahrhunderts. Im Laufe seiner 25-jährigen Forschungs- und Lehrtätigkeit an der Universität Bielefeld entwickelte er eine universale Sozial- und Gesellschaftstheorie, die er in annähernd fünfzig Monografien und 500 Aufsätzen publiziert hat. Auf die Frage, wie diese erstaunliche Produktivität zu erklären sei, hat Luhmann immer wieder auf seinen Zettelkasten verwiesen, den er über vierzig Jahre systematisch gefüllt und gepflegt hat. Im Zuge der Nachlasserschließung ist erstmals ein Einblick in diese Sammlung von 90.000 Zetteln möglich.
    Johannes Schmidt erläuterte am 30. April 2016 in seinem Vortrag im Kunstverein Hannover die wesentlichen Merkmale der Datensammlung: die besondere Ordnungsstruktur, das Nummerierungssystem, das Verweisungsprinzip sowie das Schlagwortregister. Erst das Zusammenspiel dieser vier Komponenten ließ den Zettelkasten zu einem Innovationsgenerator der Theorie werden.
    Der Vortrag fand im Rahmen des Symposiums "Potentiale und Herausforderungen des (digitalen) Archivierens - wie wird Information gesammelt und Wissen generiert?" statt und kann hier angeschaut werden.

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    Zitat von Maria Hier:06.08.2019, 16:17 Beitrag anzeigen
    Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich nur sagen, dass viele von denen, die von Luhmanns Systemtheorie schon mal was gehört und irgendein Problem mit ihr haben, sie noch gar nicht richtig verstanden hatten. Ein Soziologe sagte mir mal, dass die eigene Warmlampe angehen sollte, wenn man an igrendeinem Punkt der Beschäftigung mit der Systemtheorie glaubt, diese komplett verstanden zu haben. Am Ende bleibt nur der aufwendige Weg der asymptotischen Annäherung, aber irgendwann hat man zumindest die Theorie der Gesellschaft insoweit verstanden, dass man sie im gesellschaftlichen Alltag anwenden kann.
    Ja, aller Anfang ist schwer, die Theorie Luhmanns ist inhaltlich wie sprachlich recht anspruchsvoll, der Zugang zu einem adäquaten Verständnis bleibt daher für einige Interessierte leider dauerhaft verschlossen. Aber wer sich die Mühe bereitet, sich ausführlich mit der Theorie zu befassen, kann reich belohnt werden: Irgendwann kommt bei den meisten "die große Erleuchtung". Während der Anfertigung meiner Diss. habe ich ca. 30 Monographien und 80 Aufsätze von NL gelesen, fasziniert haben mich vor allem seine Beiträge zur Epistemologie und Kommunikationswissenschaft, zur Organisations-, Wirtschafts-, Politik- und Risikosoziologie, zur Zeit- und Evolutionstheorie sowie seine Forschungen zum Verhältnis von Sozialstruktur und Semantik. Sehr hilfreich waren für mich auch seine Verweise auf die neuere Kybernetik, so etwa die Arbeiten von Heinz von Foerster.

    Hier ein Aufsatz, in dem v. Foerster u. a. die besonders wichtige Unterscheidung von trivialen und nicht-trivialen Maschinen erläutert und den "blinden Fleck" des Sehens (bzw. des Erkennens oder Beobachtens) veranschaulicht (Figure 1 bietet dazu ein schönes Selbstexperiment): "Principles of Self-Organization- In a Socio-Managerial Context" https://cepa.info/fulltexts/1678.pdf

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    Zitat von Milchmaedchen777 Hier:11.08.2019, 19:48 Beitrag anzeigen

    Ja, aller Anfang ist schwer, die Theorie Luhmanns ist inhaltlich wie sprachlich recht anspruchsvoll, der Zugang zu einem adäquaten Verständnis bleibt daher für einige Interessierte leider dauerhaft verschlossen. Aber wer sich die Mühe bereitet, sich ausführlich mit der Theorie zu befassen, kann reich belohnt werden: Irgendwann kommt bei den meisten "die große Erleuchtung". Während der Anfertigung meiner Diss. habe ich ca. 30 Monographien und 80 Aufsätze von NL gelesen, fasziniert haben mich vor allem seine Beiträge zur Epistemologie und Kommunikationswissenschaft, zur Organisations-, Wirtschafts-, Politik- und Risikosoziologie, zur Zeit- und Evolutionstheorie sowie seine Forschungen zum Verhältnis von Sozialstruktur und Semantik. Sehr hilfreich waren für mich auch seine Verweise auf die neuere Kybernetik, so etwa die Arbeiten von Heinz von Foerster.

    Hier ein Aufsatz, in dem v. Foerster u. a. die besonders wichtige Unterscheidung von trivialen und nicht-trivialen Maschinen erläutert und den "blinden Fleck" des Sehens (bzw. des Erkennens oder Beobachtens) veranschaulicht (Figure 1 bietet dazu ein schönes Selbstexperiment): "Principles of Self-Organization- In a Socio-Managerial Context" https://cepa.info/fulltexts/1678.pdf
    Lustigerweise schaue ich gerade im Moment das dreiteilige Interview von Maturana mit von Foerster (1, 2, 3), beide spielen ja als Grundlage Luhmanns allgemeiner Systemtheorie eine große Rolle.

    Bzgl. der Verständlichkeit muss man m.E. unterscheiden zwischen der allgemeinen Systemtheorie Luhmanns und seiner daraus abgeleiteten Theorie der sozialen Systeme. Die erste ist deutlich abstrakter und komplexer und dient vor allem dem akademischen Diskurs zur Begründung seines Systemansatzes. Die Theorie der modernen Gesellschaft ist dagegen eigentlich leicht verständlich, wenn man die systemischen Axiome einfach mal als gegeben akzeptiert. Aber der Nutzen der zweiten Theorie der sozialen Systeme ist für die Bewältigung der Zumutungen unserer modernen funktional ausdifferenzierten Gesellschaft immens und insofern ist es in meinen Augen sehr bedauerlich, dass Luhmanns Gesellschaftstheorie bspw. nicht im Sozialkundeunterricht der Oberstufen gelehrt wird.

    In seinem Video zur Ökologie aus dem Politikthread sagt Luhmann zwar selbst, dass er nicht erwarte, dass die Gesellschaft selbst auf diesem hohen Theorieniveau beobachtet, aber warum eigentlich nicht? Statt dessen wird aller Orten über den "Kapitalismus" gestritten und ob dieser nun die neuen ökologischen Probleme überhaupt noch bewältigen könne. Es ist doch nahezu unfassbar, dass heutzutage noch über ledigllich einen Aspekt der Gesellschaft bzw. eben ein Subsystem mit der einzigen Unterscheidung Verteilung von Mehrwert diskutiert wird.

    Meine Frage wäre also, auf welche Art und Weise die momentan einzige ideologiefreie und vollständige Theorie unserer modernen Gesellschaft überhaupt ins Erziehungssystem kommen kann? Gibt's da Interessengruppen, die das aktiv betreiben oder findet das wie bspw. der Luhmann-Lehrstuhl in Bielefeld nur im akademischen System statt? Manchmal werden zwar Kuriositäten wie der Zettelkasten in den Medien thematisiert - als ob es nur um die Methode ginge.

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    Gretas Törn schädlicher als Flug

    Thunbergs Segeltörn nach New York verursacht mindestens sechs Flüge über den Atlantik. Würde sie fliegen, wäre die Reise klimafreundlicher.

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    Alles fällt an der Börse, nur Alibaba steigt..
    Alibaba - Quartalszahlen

    Der Umsatz der Alibaba Group wuchs im ersten Quartal 2019/2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 42 Prozent (Vorquartal: 51 Prozent) auf rund 114,92 Mrd. Renminbi oder rund 16,74 Mrd. US-Dollar.

    Das operative Ergebnis stieg im gleichen Zeitraum zum Vorjahr um 204 Prozent auf knapp 24,38 Mrd. Renminbi oder rund 3,55 Mrd. US-Dollar. Die operative Marge erhöhte sich somit auf 21 Prozent ein (Vorjahr: zehn Prozent).

    Chart: https://www.boersentreff.de/alibaba-aktie.htm alibaba.PNG

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    Mir lief ein Thema über den Weg, das mir schlagend die Probleme von NGOs und Entwicklungspolitik belegt: Der Bale-Nationalpark in Äthiopien. Auf dem lastet ein enormer Druck von Kleinbauern, die an den Straßen entlang immer zahlreicher siedeln, um ihr Vieh im Park weiden zu lassen. Einige NGOs verteidigen sie wegen ihrer Armut, verlangen Kompensation. Tatsache ist: Im Park ist Siedeln nicht erlaubt, mangels Park-Personal nur geduldet. Kriminell werden diese Kleinbauern vor allem an der Stelle, wo dieser Park mit seinem Nebelwald das Wasser für 6 Mio. Menschen in Somalia liefert. Doch wo diese Kleinbauern weiden lassen, weicht der Wald, wird in Teilen mit Ekalyptus ersetzt. Deutsche Zoologen, die das Reservat beraten, jaulen nur noch. So entstehen die nächsten Flüchtlingsströme. Diesen bisher wenigen Kleinbauern sind die 6 Mio. im Tiefland völlig egal. Der Bale-Nationalpark macht so aber schlagend klar, wie regional- und strukturpolitisch Entwicklungspolitik längst geworden ist. Die Absichten der Gutmenschen mit ihren kruden Gleichheits- und Gerechtigkeitsbegriffen hier lösen Katastrophen aus, die uns in diesem Fall ganz sicher erreichen. Da könnten sie Great Greta mal für Klimaschutz einsetzen, denn das ist ohne diesen Nebelwald am Horn von Afrika ruiniert, die Wüste in Somalia perfekt. Armut von Kleinbauern berechtigt nicht zu Eigenmächtigkeit, Bereicherung, Gesetzesbruch, vor allem nicht mit diesen absehbaren Folgen. Hier ein Video zum Nationalpark - leider ganz im Duktus ambitionierter Naturschützer.
    Zuletzt geändert von frcg; 16.08.2019, 16:11.

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    Zitat von frcg Hier:16.08.2019, 15:57 Beitrag anzeigen
    Mir lief ein Thema über den Weg, das mir schlagend die Probleme von NGOs und Entwicklungspolitik belegt: Der Bale-Nationalpark in Äthiopien. Auf dem lastet ein enormer Druck von Kleinbauern, die an den Straßen entlang immer zahlreicher siedeln, um ihr Vieh im Park weiden zu lassen. Einige NGOs verteidigen sie wegen ihrer Armut, verlangen Kompensation. Tatsache ist: Im Park ist Siedeln nicht erlaubt, mangels Park-Personal nur geduldet. Kriminell werden diese Kleinbauern vor allem an der Stelle, wo dieser Park mit seinem Nebelwald das Wasser für 6 Mio. Menschen in Somalia liefert. Doch wo diese Kleinbauern weiden lassen, weicht der Wald, wird in Teilen mit Ekalyptus ersetzt. Deutsche Zoologen, die das Reservat beraten, jaulen nur noch. So entstehen die nächsten Flüchtlingsströme. Diesen bisher wenigen Kleinbauern sind die 6 Mio. im Tiefland völlig egal. Der Bale-Nationalpark macht so aber schlagend klar, wie regional- und strukturpolitisch Entwicklungspolitik längst geworden ist. Die Absichten der Gutmenschen mit ihren kruden Gleichheits- und Gerechtigkeitsbegriffen hier lösen Katastrophen aus, die uns in diesem Fall ganz sicher erreichen. ......
    Fortschritt und Entwicklung sind oft nur durch Druck und unter Zwang von Aussen möglich. Zudem bedarf es der (erzwungenen) Durchsetzung der Änderungen gegen den Willen der Betroffenen.
    Beispiel: Napoleons Eroberungen und der daraus resultierende segensreiche Zusammenbruch eines 600 Jahre alten Ordnungssystems in den deutschsprachigen Regionen (Reichsdeputationshauptschluss).

    Die westliche "Entwicklungspolitik" seit dem Ende der Kolonialzeit ist komplett gescheitert, da die Realitäten in den Elendsländer missachtet wurden (z.B. Korruption, fehlende Investitionssicherheit, Clandenken statt Nationalstaatsdenken, Religionsvorbehalte, Gewalt als Mittel der innerstaaatlichen Konfliktlösung, oft rückwärtsgewandte Jammermentalität).
    Es fehlt den Europäern heute am Willen, vorhandenes Wissen zum Wohle der Entwicklungsländer auch gegen Widerstände durchzusetzen.
    Stattdessen wurde 100fach tatenlos zugeschaut, wie westliche Entwicklungsmillionen durch schlechte Regierung und Verwaltung vor Ort sinnlos oder korrupt verwendet wurden.

    --------------

    Eine andere Nuance fand sich neulich bei Brasiliens Bolsonaro

    https://www.welt.de/politik/ausland/...la-Merkel.html

    Es stimmt übrigens, dass in Deutschland in zwei geschichtlichen Phasen massiv gerodet wurde zwecks wirtschaftlicher Entwicklung, genau wie heute in Brasilien.
    Ob die Waldrodungsmaschinen in Brasilien aus Deutschland stammen, verkauft mit staatlicher Bürgschaft ? Würde zur Merkelzeit passen.

    https://www.zeit.de/wissen/umwelt/20...europa/seite-2

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    Zitat von eurohypo Hier:Heute, 18:07 Beitrag anzeigen

    Ob die Waldrodungsmaschinen in Brasilien aus Deutschland stammen, verkauft mit staatlicher Bürgschaft ? Würde zur Merkelzeit passen.
    Für die vielen illegalen bzw. halblegalen Rodungen braucht man keine Maschinen. Da wird nicht lange gefackelt...

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    gabs alles schon in der Antike:

    https://www.sueddeutsche.de/wissen/a...tur-1.910765-2

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