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Mifid ii

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    Mifid ii

    Zitat von koelner Hier:15.11.2017, 12:42 Beitrag anzeigen
    Off Topic: Gibt es irgendjemanden in der EU, der Mifid II richtig und komplett versteht?
    Ich nehme diese Frage mal zum Anlass, ein neues Thema zu erstellen. Uns hier interessiert sicherlich vor allem, wie sich MIFID II auf unsere täglichen Wertpapiergeschäfte auswirkt.

    Die Banken schicken in diesen Tagen seitenweise neue Geschäftsbedingungen rum, die meistens in einer Schriftgröße verfasst sind, die ich zumindest ohne Lupe nicht mehr lesen kann. Keine Ahnung, ob sich in den Bedingungswerken echte Nachteile verbergen oder ob das alles nur das Wiehern der Amtsschimmel ist. Außerdem ändern sich in vielen Fällen die Gebühren im Wertpapierbereich.

    Meine persönlichen Erfahrungen sind bislang:

    Die NRW-Spaßkasse meiner Schwiegermutter gleicht die Provisionssätze an und nimmt zukünftig einheitlich 0,7% vom Kurswert. Schön für die Aktienanleger, die zahlten vorher 1%, für den Handel mit Anleihen ist der Anstieg von 0,5% auf 0,7% (noch dazu bei diesen Renditen!) eigentlich ein KO-Kriterium, aber Schwiegermutter möchte auf ihre alten Tage nicht mehr wechseln. Auf meine Frage, was sich denn für die Kunden durch MIFID II ändert, hieß es lapidar "nix, nur die Gebühren". Von erhöhten Anforderungen an den "Anlegerschutz" hatte die Spaßkasse noch nichts gehört.

    Die PSD-Bank hat zunächst das Aus für das Telefonbanking verkündet. Mittlerweile ist man zurückgerudert und prüft das Ganze nochmal. Es gibt da ein gewisses Problembewusstsein, aber auch die Befürchtung, dass die Bank mit diesen ganzen Regularien überfordert ist. Die Gebühren bleiben prozentual unverändert, aber der Cap erhöht sich beim Online-Banking auf 50 € und beim Telefonbanking auf 100€.

    Meine Privatbank hat bislang nur verkündet, dass künftig das Telefonbanking nur noch in Verbindung mit einem elektronischen Postfach funktioniert. Auf diesem Wege wird man mir alle zukünftig erforderlichen Informationen (Kosten, Risiken, etc.) zukommen lassen und erst danach kann die Order ausgeführt werden. Das führt zu Verzögerungen bei der Orderweitergabe von wenigen Minuten. Damit kann ich leben.

    Flatex wird die Börsenplatzgebühr von 5€ auf 5,90€ erhöhen, ansonsten habe ich noch von keinen Veränderungen erfahren.

    Sollte es aber tatsächlich (wie von der ING-DIBA angekündigt) zu Einschränkungen für Privatanleger bezüglich der Anlageinstrumente (z.B. Anleihen mit Kindersicherung) kommen, dann bietet nur meine Privatbank den Service an, dass man sich als professioneller Marktteilnehmer einstufen lassen kann.

    Was habt ihr bislang für Erfahrungen gemacht und wo gibt es Probleme?

    #2
    AW: Mifid ii

    Weiß jemand welche Auswirkungen das für den Handel im eigenen Depot hat?

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    #3
    AW: Mifid ii

    DIBa

    1. Die Gebühren werden noch transparenter
    Ab dem 02. Januar 2018 informieren wir Sie direkt vor jeder Ordererteilung automatisch über alle Kosten und Gebühren. Neben den Orderprovisionen und den Handelsplatzgebühren erfahren Sie ebenfalls, welche Zuwendungen die ING-DiBa ggf. für die Order erhält und welche Kosten innerhalb des Produkts anfallen. Diesen Service können wir leider nicht auf allen Kanälen anbieten. Das bedeutet: Ab dem 18. November 2017 können wir keine Wertpapier-Aufträge per Telefax, Brief und über unser Telebankingsystem TBS mehr annehmen. Sie können uns diese aber – wie bisher – bequem über unser Internetbanking + Brokerage (IBBR), per App oder telefonisch über unsere Kundenbetreuer erteilen.
    Zur Transparenz gehört auch, dass wir die jeweiligen Gebühren, die es beim Handel an den verschiedenen Börsen gibt, Ihnen offenlegen und direkt weitergeben. Deshalb wird die Handelsplatzgebühr für die Börsen Stuttgart, Berlin, Düsseldorf und Hamburg/Hannover ab dem neuen Jahr 5,00 Euro betragen. Für München, Frankfurt, Euwax und Xetra bleibt diese Gebühr unverändert.

    2. Sie sind noch besser informiert
    Ab 2018 bekommen Sie alle 3 Monate einen aktuellen Depotauszug – statt wie bisher jährlich. Sie
    finden den Auszug automatisch in Ihrer Post-Box, Ihrem elektronischen Briefkasten im Internetbanking + Brokerage (IBBR). ...
    Sie haben gehebelte Produkte, das sind u.a. Optionsscheine oder Knock-Out Zertifikate, in Ihrem Depot? Dann informieren wir Sie, sobald Sie 10 % gegenüber dem Einstandskurs verloren haben, und danach in weiteren 10 %-Schritten – damit Sie entsprechend handeln können. Wir senden Ihnen automatisch eine Nachricht in Ihre Post-Box oder per Post. ....

    3. Sie sind noch stärker geschützt
    Wie Sie sehen, bekommen Sie von uns mehr Informationen – zu Ihrem Schutz. Aus diesem Grund prüfen wir künftig, ob das Wertpapier, das Sie kaufen möchten für Privatanleger bzw. das beratungsfreie Geschäft vorgesehen ist. Sofern das nicht der Fall ist, werden wir den Auftrag ab dem 02. Januar 2018 ablehnen – ganz im Sinne des neuen Gesetzes und zu Ihrer Sicherheit. ...

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    #4
    AW: Mifid ii

    Wie Sie sehen, bekommen Sie von uns mehr Informationen – zu Ihrem Schutz. Aus diesem Grund prüfen wir künftig, ob das Wertpapier, das Sie kaufen möchten für Privatanleger bzw. das beratungsfreie Geschäft vorgesehen ist. Sofern das nicht der Fall ist, werden wir den Auftrag ab dem 02. Januar 2018 ablehnen – ganz im Sinne des neuen Gesetzes und zu Ihrer Sicherheit. ...
    Das klingt überhaupt nicht gut...

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    #5
    AW: Mifid ii

    Zitat von Alf Hier:15.11.2017, 18:24 Beitrag anzeigen
    Das klingt überhaupt nicht gut...
    Exakt!
    Ich fühl mich durch die Diba nicht beschützt, sondern ausschließlich bevormundet.
    Bin dann mal gespannt, wie diese Schutz-Kriterien ausgelegt werden.
    Die Diba sollte angesichts Ihrer selbsterkorenen hervorragenden Transparenz gleich mal Beweise dafür liefern und über den Algorithmus des Ablehnverfahrens informieren.
    Ich denke aber, das wird auf Dauer eine Black-Box sein.

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    #6
    AW: Mifid ii

    Zitat von Maxbox Hier:15.11.2017, 18:35 Beitrag anzeigen
    Bin dann mal gespannt, wie diese Schutz-Kriterien ausgelegt werden.
    Die Diba sollte angesichts Ihrer selbsterkorenen hervorragenden Transparenz gleich mal Beweise dafür liefern und über den Algorithmus des Ablehnverfahrens informieren.
    Ich denke aber, das wird auf Dauer eine Black-Box sein.
    Vermute, dass alles was kindergesichert ist, damit raus ist.
    Wäre natürlich völlig unakzeptabel.

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    #7
    AW: Mifid ii

    Könnte man sich nicht durch die Gründung einer vermögensverwaltenden GmbH diesen Regularien entziehen? Die Sparschwein-GmbH könnte sowieso wieder interessant werden, wenn die Abgeltungssteuer fällt.

    Ansonsten liest sich das Diba-Pamphlet so, als ob ein paar EU-Parlamentarier viel Geld an den Märkten verloren hätten und jetzt aus Trotz gegensteuern wollen.
    Kurstickerverpflichtung bei Optionsscheinen - was soll das bitte?

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    #8
    AW: Mifid ii

    Habe comdirect angeschrieben und Consors, wo ich ein Eurex-Marginkonto habe, ob sich für mich 2018 was ändert.

    Antwort von Consors kam pronto: Ich kann auch 2018 ungestört meine bisherigen Geschäfte (Eurex Futures, Optionen, Optionsscheine, Hebelprodukte), ohne einem Idiotentest unterzogen zu werden oder irgendwelche Unterlagen einreichen zu müssen.

    Bei comdirect steht eine Antwort seit 3 Tagen aus.

    Von comdirect gab's das gleiche Pamphlet wie von der Diba, wo angedroht wird, daß man ab 2018 zum "eigenen Schutz" vor sich selbst entmündigt und in die Zwangsjacke gesteckt wird. Von Consors nix dergleichen.

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    #9
    AW: Mifid ii

    Flatex wird wohl grundsätzlich keine Einstufung als prof. Kunde anbieten. Auch auf mehrfache schriftliche Nachfrage und anschließender tel. Eskalation gibt’s keine Aussage ob und ggf. was sich ab 1.1. für den Anleihehandel ändern wird.

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    #10
    AW: Mifid ii

    Und für alle, die wegen GenauWissenWollen-Syndroms in die Zwangsjacke gesteckt wurden:
    Präsentation zum Thema „Geeignetheitsprüfung“.
    >> regelmäßige (jährliche) Beurteilung auf Geignetheit,
    >> Prüfung auf Klumpenrisiken,
    >> seite 22-23 ist interessant,

    https://www.bafin.de/SharedDocs/Down...cationFile&v=1
    Zuletzt geändert von Maxbox; 15.11.2017, 21:12.

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    #11
    AW: Mifid ii

    s. 22-23 der Präsi
    AngemessenheitsprüfungÜberblick
    Kunde muss anhand seiner Kenntnisse und Erfahrungen die Risiken des Finanzinstruments verstehen können
    Regulatorischer Rahmen
    Art. 25 (3) MiFIDII
    §63 Abs. 10, 11 WpHG n.F.
    Artt. 55, 56 DV
    ESMA-Leitlinien zu komplexen Schuldtiteln und strukturierten Einlagen
    ESMA-Leitlinien zu bestimmten Aspekten der Geeignetheit
    ESMA-Q&As, Abschnitte 2 und 10


    Angemessenheitsprüfung Anwendungsbereich (1/2)
    Andere Wertpapierdienstleistungen als Anlageberatung und Finanzportfolioverwaltung
    „Beratungsfreies Geschäft“ vs. „Reines Ausführungsgeschäft“
    Keine Angemessenheitsprüfung erforderlich bei „nicht-komplexen Finanzinstrumenten“, §63 Abs. 11 WpHG
    Kriterien für fehlende Komplexität, Art. 57 DV
    Rückausnahme: Bestimmte Schuldtitel und strukturierte Einlagen

    Angemessenheitsprüfung Anwendungsbereich (2/2)
    ESMA-Leitlinien zu komplexen Schuldtiteln und strukturierten Einlagen
    Schuldtitel mit eingebettetem Derivat
    Schuldtitel mit einer Struktur, die es dem Kunden erschwert, das Risiko zu verstehen
    Strukturierte Einlagen mit einer Struktur, die es dem Kunden erschwert, das Ertragsrisiko zu verstehen
    Strukturierte Einlagen mit einer Struktur, die es dem Kunden erschwert, die Kosten des Verkaufs vor Fälligkeit zu verstehen

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    #12
    AW: Mifid ii

    S. 24 klingt für mich aber so, dass auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden auch bei negativer Angemessenheitsprüfung eine Auftragsausführung möglich ist. Da müssten die Banken wohl eine zusätzliche Warnmaske im Online-Banking einfügen "Nach unserer Prüfung ist das Wertpapier nicht für sie geeignet. Wollen sie das Wertpapier trotzdem kaufen?". Sollte eigentlich nicht so schwer sein, aber eventuell machen das nicht alle.

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    #13
    AW: Mifid ii

    Was habt ihr bislang für Erfahrungen gemacht und wo gibt es Probleme?
    Danke an NNZ, jetzt muss ich mich auch noch auf dem BB mit Mifid II beschäftigen.

    Meiner Meinung nach wird die Beratung - wenn überhaupt noch existent - komplett eingestellt. Da kann man die Banken oder Anlageberater verstehen, juristisch wäre hier jede Flanke offen. Die Banken werden somit zu reinen Produktverkäufern, aber ist ja heute grösstenteils schon so.

    Die Alternativen liegen im "execution only" (EO) oder in der Verwaltung, für Mitglieder des Bondboards geht es ja nur um das Thema EO. Hier ist generell noch sehr viel Ungewissheit in den Banken vorhanden. Manche Compliance Mitarbeiter wollen sich eine goldene Ehrennadel verdienen und ändern alles um, andere sind etwas träger und warten ab was wirklich ab dem 03.01. passieren wird.

    Zum Positiven für den Endkunden wird sich die Rückvergütung der Bestandsprovisionen bei Investmentfonds verändern. Die Banken werden die Bestandsprovisionen nicht mehr selbst einbehalten oder an einen Vermittler/Makler auszahlen sondern dem Kunden rückvergüten. Es kann sein das sich die grossen deutschen Banken dem über das angeblich so tolle Filialnetz entziehen werden (man kann anscheinend die Gelder behalten wenn man dem Kunden einen "Mehrwert" bietet), aber bei den hier von den Bondboardlesern häufig verwendeten Direktbanken sollte man diese erhalten.

    Ein grosses Problem - was die Leser hier wohl kaum betreffen wird - ist die Behandlung von Research. Hier wollte der Gesetzgeber ein Trennung von Ordergebühren und Nutzung von Research für Instis erreichen. Die Ordergebühren sind aber sowieso schon so niedrig, dass da kaum mehr Spielraum ist. Die Researchpakete sollen aber verkauft werden und einige Fondsgesellschaften (z.Bsp die DEKA) haben sich auch entschlossen diese Zusatzkosten auf die Anleger umzulegen.

    In den letzten Wochen kam dann noch das Thema LEI dazu, keine Ahnung wer diese ganzen Daten sammeln soll. Aber wenn man sich intensiver damit beschäftigt kommt man dem Szenario von Orwell aus 1984 wieder ein Stückchen näher.

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    #14
    AW: Mifid ii

    Zitat von koelner Hier:16.11.2017, 07:45 Beitrag anzeigen
    Zum Positiven für den Endkunden wird sich die Rückvergütung der Bestandsprovisionen bei Investmentfonds verändern. Die Banken werden die Bestandsprovisionen nicht mehr selbst einbehalten oder an einen Vermittler/Makler auszahlen sondern dem Kunden rückvergüten. Es kann sein das sich die grossen deutschen Banken dem über das angeblich so tolle Filialnetz entziehen werden (man kann anscheinend die Gelder behalten wenn man dem Kunden einen "Mehrwert" bietet), aber bei den hier von den Bondboardlesern häufig verwendeten Direktbanken sollte man diese erhalten.
    Wie kommst Du darauf? Ein explizites Verbot der Vereinnahmung von Zuwendungen besteht nur in der Vermögensverwaltung. Bei "einfachen" Investmentfonds dürfen Provisionen weiterhin an Vermittler ausgezahlt oder einbehalten werden.

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    #15
    AW: Mifid ii

    Zitat von B3S Hier:16.11.2017, 08:06 Beitrag anzeigen
    Wie kommst Du darauf? Ein explizites Verbot der Vereinnahmung von Zuwendungen besteht nur in der Vermögensverwaltung. Bei "einfachen" Investmentfonds dürfen Provisionen weiterhin an Vermittler ausgezahlt oder einbehalten werden.
    Vielleicht bin ich zu sehr aus Sicht der Vermögensverwaltung von Mifid II beeindruckt, aber ich war wirklich der Meinung, dass generell Banken diese Bepro an den Kunden weitergeben müssen.

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